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Markos Koumaris von der griechischen Gruppe Locomondo

„Du schaffst für zwei Stunden eine bessere Welt“

Seit 14 Jahren versprüht die griechische Gruppe Locomondo mit ihrer Welt-Musik Energie und versetzt ihr Publikum in gute Stimmung. Die Griechenland Zeitung traf den Band-Gründer und Frontman Markos Koumaris in einem Athener Café.

Es regnet, als ich mich auf den Weg zu einem Rendezvous mit Markos mache. Alles trieft und steht unter Wasser – auch von dieser Seite kann sich griechisches Frühlingswetter zeigen. Trotzdem ist mir warm ums Herz: In meinem Kopf hat sich Locomondos Version des Liedes „Frangosyriani“ eingenistet – das Lied, das sogar den deutsch-türkischen Filmemacher Fatih Akin überzeugt hat, es in seinem Film „Soul kitchen“ zu verwenden. Mit ihrer Musik voller Frische und Lebensfreude schafft es Locomondo, allen Trübsinn zum Verschwinden zu bringen – ganz nach dem Motto eines ihrer Songs: „Den kanei kryo stin Ellada“ – „In Griechenland ist es nicht kalt“.

Das Lied vor mich hinsummend, an meinem Kaffee nippend und auf Markos wartend erinnere ich mich an einen nur ein paar Tage zurückliegenden Spaziergang durch Athen und meinen ersten Kontakt mit der „verrückten Welt“, wie man Locomondo übersetzen würde. Angekommen in der Altstadt Plaka hatte ich trotz der prallen Frühlingssonne Lust, den Berg Richtung Akropolis zu erklimmen. Vorbei an zerfallenden Häusern und anderen, schmucken, die bewohnt sind, hatte ich schon bald die Orientierung verloren, wusste nicht mehr, wo genau ich war. Aber: Ich hörte Musik – Musik „die fremd und südlich klang“, wie Udo Jürgens in seinem Lied „Griechischer Wein“ einst gesungen hat.

Die, die ich nun aus einem kleinen Gemüsegeschäft heraus klingen hörte, war aber noch südlicher als die, die hier in Athen üblicherweise an meine Ohren dringt. Und fremd, nein, fremd war und ist sie mir überhaupt nicht. Es ist die Musik von Locomondo – einer siebenköpfige Ska- und Reggae-Band, die ihre Texte auf Griechisch, Deutsch und Englisch performt.

Vom Reggae-Rembetiki

Markos Koumaris, „Chef“, „Erfinder“ und Frontmann der Band, holt mich aus meinen Gedanken in die Wirklichkeit zurück. Er begrüßt mich mit einem Lächeln. Die Augen des Musikers und Vaters strahlen, während er mir eingangs von seiner Familie erzählt, mit der er sehr verbunden ist, oder von seiner Heimatstadt Athen: „Eine Stadt mit sehr, sehr vielen Erinnerungen, sehr viel Energie, ja ich würde sagen, es ist eine erotische Stadt.“

Nach diesen einleitenden Worten sind wir schon bald in medias res – bei der Musik. Markos beschreibt die Musik von Locomondo als „Reggae-Rembetiko“. „Wir haben viele Rembetiko-Lieder mit Reggae Rhythmen kombiniert, aber das ist nicht alles. Unsere Musik ist neben Ska und Reggae auch von Rock und Weltmusik beeinflusst.“ Viel Inspiration holte sich der Athener von Bruce Springsteen: „Ich finde bis heute, dass er unübertreffbar ist – als Songwriter, als Sänger, als Performer und Bandleader. Freude, Lust, Trauer und Wut, alles ist bei ihm authentisch.“

The Boss hat Markos mit zwölf Jahren das erste Mal bewusst im Fernsehen gesehen und gehört. Wenig später brachte ihm seine große Schwester Kassetten von Springsteen aus Honduras mit. „Dieser Rhythmus, Pop, Volksmusik der 80er Jahre aus der Karibik – das hat mich umgehauen. Ich hab noch nie so ’was Schönes und Tolles gehört, und das ist für immer in meinem Hinterkopf geblieben.“

Fusion von zwei Stilen

Markos machte zunächst Punkmusik, bis er dann – nach dem Gitarrenstudium an der Jazz- und Rockschule in Freiburg und während seines Militärdienstes in Griechenland – zusammen mit seinem Kumpel Giannis Varnavas Locomondo gründete. Das war Anfang des dritten Jahrtausends. Überrascht seien die Leute damals gewesen, sagt er, denn viele hätten wohl gedacht, dass aus dem kleinen Markos eher ein Fußballer als ein erfolgreicher Musiker werden würde.

Wie geht das nun eigentlich, wie kreiert man diesen Mix aus griechischer Musik und Reggae, die die Leute – nicht nur in Griechenland – zum Tanzen bringt? Erwartet hatte ich eine technische Antwort, irgendetwas zu Dynamik, Tempo ... Aber Markos überrascht mich: „Ganz einfach, es geht nicht um’s Technische. Reggae und Rembetiko sind Volksmusikstile, die aus einer Fusion von zwei Kulturen entstanden. Die Rhythmen der aus Afrika in die Karibik zwangstransportierten Sklaven verschmolzen mit den westlichen Harmonien der Besatzer. Ähnlich im Rembetiko, der in der Zeit der beidseitigen Zwangsumsiedlungen ebenso mit der Vermischung zweier Musikstile entstand – Musik der Griechen Kleinasiens traf auf die Volksmusik des griechischen Festlands. Beide Stile kamen aus dem Untergrund – Volksmusiken, einfach gebaut, sehr gut tanzbar, aber trotzdem auch politisch.“ Markos ergänzt mit Nachdruck: „Musik ist jedoch größer als Politik, zu viel Politik steckt Musik in ein Viereck, es grenzt sie ein.“

Funken und Energie

Nach 14 Jahren Zusammenarbeit auf der Bühne sind die Jungs von Locomondo alte Hasen, es funktioniert, sie sind aufeinander eingespielt, wissen, wie der Bandkollege tickt. Wichtig bleibe aber, so Markos, wie man die Funken der eigenen Energie übertragen kann: „Die Leute wollen ja rauskommen aus ihrem Alltag, in eine andere Welt transportiert werden, in der es schöner, besser, in der es wärmer ist, wo es erotischer, lebendiger, wo es menschlicher und gerechter ist. Und du musst erst einmal dieses Gefühl in dir haben, dann schaffst du es vielleicht, es auch beim Publikum zu erzeugen.“

Luisa Bollweg www.griechenland.net

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